Wohnheimsgeschichte

Bau von Haus 1

Gleich nach seiner Gründung im Jahre 1956 begann der Trägerverein mit der Sammlung von Spenden. Tausende „Bettelbriefe“ gingen an Privat- und Geschäftsleute, begleitet von zahlreichen Gesprächen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Nach zwei Jahren intensivster Spendenwerbung waren die nötigen Eigenmittel beisammen. Und auch ein Ruinengrundstück war gefunden. Es gehörte der Stadt. Sie verkaufte es dem Verein und gewährte ihm zugleich einen Förderzuschuss in Höhe des Kaufpreises. Hinzu kamen Fördermittel von Bund und Land sowie ein Kredit der Stadtsparkasse. Nach gründlicher Planung (Architekten Werner und Grete Wirsing) konnte im März 1959 der Bau begonnen und das Haus 1 mit 144 Wohnplätzen – davon 64 in Doppelzimmern – noch zum Jahresende fertig gestellt werden (Gesamtkosten: 1,2 Mio. DM).

Bau von Haus 2

Mit gleichem Schwung und entsprechender Intensität wie vorher für Haus 1, setzte die Spendenwerbung nun auch für Haus 2 ein. Wiederum gelang es innerhalb von zwei Jahren, durch das Sammeln von Spenden die nötigen Eigenmittel aufzubringen, um die günstigen Bundes- und Landesmittel beantragen und einen Bankkredit aufnehmen zu können. Und noch einmal half die Stadt, indem sie dem Verein das angrenzende Ruinengrundstück verkaufte und wieder in Höhe des Kaufpreises einen Förderzuschuss gewährte. Schwieriger Baugrund (tiefe Ruinenkeller), die Auflage zur Errichtung von Garagen, der erforderliche geschlossene lange Verbindungsgang zwischen den beiden Häusern sowie allgemeine Teuerungen führten zu unliebsamen Kostensteigerungen. Mitte 1963 waren alle Vorbereitungen einschließlich Planung (Architekten Werner und Grete Wirsing) und Baugenehmigung abgeschlossen und der Bau konnte beginnen. Im April 1964 war Haus 2 mit seinen 98 Einzelzimmern, dem Verbindungsgang und 21 Garagen bezugsfertig (Gesamtkosten: 1,5 Mio.).

Zusammenarbeit zwischen Heimleitung und Studentischer Selbstverwaltung

Noch bevor die ersten Studierenden zum 1. Januar 1960 ins Haus 1 einzogen, hatte der Verein durch entsprechende vorläufige Regelungen die Grundlagen für eine weitgehende Selbstverwaltung der Heimbewohner und für deren Beteiligung an der Verwaltung des Studentenwohnheims durch den Verein, wie etwa der Auswahl der Heimbewohner, der Beschlussfassung über den Haushalt, Mieterhöhungen, Durchsetzung der Hausordnung gelegt. Seit 1960 haben Die Heimbewohner, die im neunköpfigen Kuratorium des Vereins mit drei Mitgliedern vertreten sind, die Inhalte und Formen ihrer Selbstverwaltung im Einvernehmen mit dem Verein weiter entwickelt.

Die Zusammenarbeit mit der studentischen Selbstverwaltung obliegt auf Seiten des Vereins schwergewichtig der Heimleitung.

Erste Heimleiterin war die junge Historikerin Dr. Helga Grebing (Sie lebt jetzt als emeritierte Professorin in Berlin), welche die erste Aufbauarbeit zu meistern hatte.

Ihr folgte am 1.Mai 1962 der Mathematiker Josef Maisch, im Hauptberufe erster Rektor des seinerzeit neu errichteten München-Kollegs. Er war bis zu seinem Tode am 25. Sept. 1986 mehr als 24 Jahre lang in verdienstvoller Weise als nebenberuflicher Heimleiter tätig und verkörperte eine ganze Ära des Schollheims, die sehr stark vom politischen und gesellschaftlichen Wandel mitgeprägt war, der unser Land seit 1968 ergriffen hatte.

Dann übernahm der pensionierte Pädagoge Karl Heinz Hammermüller die Heimleitung. Als bewährter Hochseesegler steuerte er auch zu Lande mit viel Umsicht, Einfühlung und im kooperativen Geist einen erfolgreichen Kurs. Er starb 77-jährig am 4. Mai 2001.

Würdiger Nachfolger ist der Architekt Tilman Breitbach, dessen Tätigkeit bei der bayerischen Staatsbauverwaltung im Frühjahr 2002 durch Eintritt in den vorgezogenen Ruhestand endete. Wie die Vorgänger widmet er sich „nebenberuflich“ mit Erfolg den beiden Wohnheimen.

Die Zusammenarbeit mit der Marchionini-Stiftung

Seit dem Herbst 1972 kümmern sich der Heimleiter, die Verwaltungskräfte und der Hausmeister auch um das Marchionini-Studentenwohnheim in der Lerchenauer Straße 41 in München. Das Heim gehört der Alfred und Karl Marchionini-Stiftung.
Die Stiftung war von den kinderlosen Eheleuten Alfred und Mathilde Marchionini errichtet worden, die im gemeinsamen Testament ihr gesamtes Vermögen zum Bau eines Studentenwohnheims und zur Förderung bedürftiger Studenten stifteten.

Kurz vor ihrem Tode hatte Dr.Mathilde Marchionini verfügt, daß im Stiftungsnamen ihr Vorname durch den Vornamen (Karl) ihres Schwiegervaters ersetzt wird. Damit wollte sie den Mann ehren, von dem ihr Ehemann seine Ideale hatte. Nachdem sie 1967, zwei Jahre nach ihrem Ehegatten, gestorben war, nahm die Stiftung ihre Arbeit auf.

Das Marchionini-Studentenwohnheim wurde just zu den Olympischen Spielen fertig gestellt (Architekt Werner Wirsing) und beherbergte während der Spiele Schiedsrichter. Gleich nach den Spielen zogen die Studenten ein. Aufgrund eines vereinbarten Verwaltungsverbundes wird das Marchionini-Studentenwohnheim von Anfang an vom Schollheim aus mitverwaltet, was durchaus im beiderseitigen Interesse liegt. Die Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse des Vorstands und des Geschäftsführers der Stiftung blieben natürlich gewahrt.

Reperaturen und Umbauten

Kein Haus der Welt bleibt neu und heil wie am ersten Tage der Fertigstellung, sondern es beginnt – um es krass zu sagen – gleich wieder zu zerfallen. Von außen nagen Wind und Wetter, Hitze, Kälte, Regen, Eis und Schnee, von innen nutzen es die Bewohner und Besucher ständig ab.

Dachsanierung

Daher mußten wir immer wieder die Teerpappen der Flachdächer neu verkleben oder ganz erneuern, bis wir sie endlich durch dauerhaftes Aluminiumblech ersetzen konnten. Installationen und Fußböden waren von Zeit zu Zeit zu ersetzen und immer wieder mussten und müssen auch künftig Fenster und Fassaden sowie die Wände der Räume frisch gestrichen werden.

Größere Küchen und Sanitärräume im Haus 1

Im Haus 1 gab es in den 80er Jahren einen Umbau: einerseits die Erweiterung der Küchen- und Sanitärbereiche unter Einbeziehung und Nutzungsänderung von acht Einzelzimmern, andererseits zur Kompensation die Umwandlung der Heimleiterwohnung und er Tutorenwohnung im Erdgeschoß zu einer neuen Wohngruppe mit acht Einzelzimmern.

Dachaufbau udn -ausbau in beiden Häusern

Die größte Baumaßnahme erlebten (und durchlitten) die Heimbewohner jedoch vom Juni 1998 bis Juli 1999. Da wurden die Flachdächer durch Walmdächer ersetzt und zu drei Wohngruppen mit zusammen 22 Einzelzimmern ausgebaut. Im Gegenzug konnten wir endlich die noch vorhandenen 24 Doppelzimmer in Einzelzimmer umwandeln. Die Gesamtzahl der Wohnplätze sank nur um zwei auf 232.

Alle Zimmer in Haus 1 und 2 erhielten neue Waschbecken und endlich auch warmes Wasser. Die Elektroinstallation musste völlig erneuert und verstärkt werden. Zugleich erhielten alleZimmer Telefonleitungen, TV/Audio-Kabelanschlüsse und Anschlüsse an das neue DV-Hausnetz (Schollnet), das über eine leistungsfähige Standleitung an das Leibniz-Rechenzen-trum (LRZ) der Bayer. Akademie der Wissenschaften angeschlossen ist und jedem Heimbewohner u. a. einen kostenlosen Zugang zum Internet bietet.

Fast alle Fenster beider Häuser wurden erneuert und die Fassaden frisch gestrichen. Die beiden veralteten Heizzentralen sind durch moderne, elektronisch gesteuerte Anlagen ersetzt und durch je eine Solarkollektoranlage mit zusammen rund 100 Quadratmeter Kollektorfläche ergänzt worden.
Dies waren die wichtigsten Baumaßnahmen, durch welche die beiden Häuser auf den neuesten Stand kamen. Die Wohnqualität ist erheblich verbessert und die Beliebtheit des Schollheims beträchtlich gesteigert.

Diese Baumaßnahmen, die insgesamt nahezu 5 Mio. DM kosteten, waren nur mit massiver staatlicher Förderung sowie großzügigen Zuwendungen von privater Seite möglich. Lediglichein Kredit von 550.000 DM musste aufgenommen werden, so daß die Mieten weiterhin recht günstig sind.

Das Schollheim braucht Förderer

Auch in Zukunft kann das Schollheim die immer wieder nötigen Instandsetzungen nur teilweise aus erwirtschafteten Reparaturrücklagen finanzieren. Es ist stets auf staatliche und private Zuwendungen angewiesen. Da die staatlichen Zuschüsse bereits halbiert sind und künftig völlig auszubleiben drohen, sind mehr denn je private Zuwendungen vonnöten.Daher bitten wir alle, denen an der Erhaltung und dem weiteren Gedeihen des Schollheims gelegen ist, um Spenden. Auch kleine Beträge sind willkommen und dankenswert, denn viele kleine Spenden vereinigen sich zur starken finanziellen Kraft.
Natürlich freuen wir uns besonders über alle, die sich dem Fördernetzwerk unseres gemeinnützigen Vereins anschließen.

Zuwendungen an unseren Verein sind steuerlich absetzbar. Unser Verein stellt den Spendern gerne entsprechende Bestätigungen zur Vorlage beim Finanzamt aus. Die Bankverbindung des Vereins Studentenwohnheim Geschwister Scholl e.V. lautet:
Stadtsparkasse München IBAN: DE 10 7015 0000 0901 2520 15 SWIFT: SSKMDEMM