Unser Name

Unser Wohnheim ist nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt, die zum Kreis der Weißen Rose gehörten, einer studentischen Widerstandsgruppe in München im 2. Weltkrieg gegen das verbrecherische Hitler-Regime.

Hans und Sophie Scholl sowie fünf Mitstreiter - Christoph Probst, Alexander Schmorell, Kurt Huber, Willi Graf und Hans Leipelt - mussten ihren Widerstand mit dem Leben bezahlen. Mehrere andere Freunde erhielten hohe Zuchthausstrafen.

Der Name des Wohnheims soll allezeit an das mutige Beispiel der Geschwister Scholl und ihrer Freunde von der Widerstandsgruppe Weiße Rose erinnern und alle mahnen, immer und überall auf der Welt für Freiheit und Recht, für Frieden und Völkerverständigung einzutreten.


Weiße Rose

So nannte sich eine aus der katholischen und bündischen Jugendbewegung hervorgegangene Widerstandsgruppe von Studenten gegen das nationalsozialistische Hitler-Regime, die sich im 2.Weltkrieg in München gebildet hatte.
Hans und Sophie Scholl gehörten zum inneren Kreis der Weißen Rose. Sophie Scholl studierte seit Mai 1942 Biologie, Hans Scholl war – wie auch seine Freunde Christoph Probst, Alexander Schmorell und Willi Graf Medizinstudent in München. Sie dienten als Soldaten in Studentenkompanien, durften in der Heimat studieren und wurden jeweils in den Semesterferien zum Kriegseinsatz kommandiert.
In dem Philosophieprofessor Kurt Huber, der an der Universität München lehrte, fanden sie einen Gleichgesinnten, der sich dem Freundeskreis im Sommer 1942 anschloß.

Die Aktionen

Anfangs lasen sie Bücher, die verboten waren, und diskutierten. Aber im Juli 1942 schritten Hans Scholl und Alexander Schmorell zur Tat; sie verfassten und versandten heimlich vier Flugblätter der Weißen Rose.

Nach der Rückkehr von der Front in Russland im Spätherbst zu Beginn des neuen Semesters verfassten sie ihr fünftes Flugblatt „Aufruf an alle Deutsche!“

Im Januar 1943 endete die Schlacht um Stalingrad, die sich später als ein Wendepunkt des 2. Weltkriegs erweisen sollte, mit einer katastrophalen deutschen Niederlage. Von den ursprünglich 330.000 Soldaten der 6. Armee waren mehr als Zweidrittel gefallen. Auf russischer Seite starben über eine Million Menschen in und um Stalingrad.
Für die Widerstandsgruppe Weiße Rose war dies der Anstoß zu ihrem sechsten Flugblatt, welches auch das letzte sein sollte.

Außerdem schrieben Hans Scholl, Willi Graf und Alexander Schmorell in drei Nächten im Februar 1943 mit Teerfarbe die Parolen „Nieder mit Hitler“ und „Freiheit“ auf die Mauern der Universität und anderer Gebäude.
Durch hilfreiche Freunde in anderen Städten – in Ulm, Stuttgart, Freiburg, Saarbrücken, Hamburg und Berlin – fanden die Flugblätter der Weißen Rose heimliche Verbreitung.

Verhaftungen, Schauprozesse, Todesurteile

Hans und Sophie Scholl,die am 18. Februar 1943 einen Koffer voll mit dem sechsten Flugblatt in die Universität brachten, wurden beim Auslegen der Flugblätter ertappt und von der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) verhaftet.
Bei Hans Scholl fand die Polizei einen in kleine Schnitzel zerrissenen handschriftlichen Flugblattentwurf von Christoph Probst. Dieser wird am nächsten Tag festgenommen.

Roland Freisler, der berüchtigte Präsident des sogenannten Volksgerichtshofs eilte von Berlin herbei, um schon am 22. Februar 1943 mit den Verhafteten kurzen Prozeß zu machen.
Hans und Sophie Scholl sowie auch Christoph Probst wurden zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tage im Gefängnis München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet. Hans Scholl rief laut am Schafott: „Es lebe die Freiheit“.
Noch am 18. Februar war Willi Graf und nach wenigen Tagen auch Alexander Schmorell und Kurt Huber festgenommen worden. Sie wurden in dem zweiten Prozeß des Volksgerichtshofs gegen die Weiße Rose am 19. April 1943 zum Tode verurteilt. Kurt Huber war im Prozeß der mutige Gegenspieler von „Hitlers Scharfrichter“ Roland Freisler, der ihm jedes ehrenhafte Motiv absprach.
Am 13. Juli 1943 starben Kurt Huber und Alexander Schmorell auf dem Schafott, Willi Graf erst am 12. Oktober 1943, nachdem die GESTAPO vergeblich versucht hatte, etwas über seine Verbindungen zu anderen Personen herauszupressen.
In dem zweiten Prozeß am 19. April 1943 in München waren noch elf andere Personen angeklagt, die bei der Verbreitung der Flugblätter geholfen hatten. Die meisten dieser Angeklagten erhielten hohe Zuchthausstrafen.

Am 13.Juli 1943 folgte in München ein dritter Prozeß gegen vier Angeklagte, ein vierter am 3. April 1944 in Saarbrücken gegen einen Angeklagten und schließlich ein fünfter Prozeß am 13. Oktober 1944 in Donauwörth gegen sieben Angeklagte, von denen einer, Hans Leipelt, zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 in München-Stadelheim enthauptet wurde.

Was war der Sinn?

Mit den ‚Flugblättern der Weißen Rose’ (1.bis.4. Flugblatt), den ‚Flugblättern der Widerstandsbewegung in Deutschland’ sowie mit den Wandparolen versuchte die Widerstandsgruppe, die akademische Jugend und darüber hinaus alle Deutschen guten Willens gegen die verbrecherische Hitler-Diktatur zu mobilisieren. Das Unternehmen misslang, aber die Opfer waren nicht vergeblich.

Winston Churchill, im 2. Weltkrieg britischer Premierminister, sagte 1946 über die Weiße Rose folgendes:
„In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte der Völker hervorgebracht wurde. Diese Menschen kämpften ohne Hilfe von innen und außen – einzig getrieben von der Unruhe des Gewissens. Solange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar, weil sie sich tarnen mussten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden. Diese Toten vermögen nicht alles zu rechtfertigen, was in Deutschland geschah. Aber ihre Taten und Opfer sind das unzerstörbare Fundament des neuen Aufbaus.“


Literaturhinweise

Inge Scholl, Die Weiße Rose
Fischer Taschenbuch Verlag, 9. Auflage, 2001, ISBN 3-596-11802-6

Barbara Leisner, „Ich würde es genauso wieder machen“ Sophie Scholl
List Taschenbuch Verlag, 3. Auflage, 2000, ISBN 3-612-65059-9

Hermann Vinke, Das kurze Leben der Sophie Scholl
Ravensburger Verlag, Erstauflage: 1986, ISBN: 3-473-54208-3

Rudolf Lill (Hrsg.), Hochverrat ? Neue Forschungen zur Weißen Rose
Portraits des Widerstands, 1. Auflage 1993, Veränderte Auflage 1999,
UVK Universitätsverlag Konstanz GmbH, Konstanz 1999
ISSN 0943-903 X, ISBN 3-87940-634-0

Die Weiße Rose
Herausgegeben von der Weiße Rose Stiftung, Gentner Straße 13, 80805 München, 3. Auflage

Diese wohlfeile Broschüre (87 Seiten) , in mehreren Sprachen erschienen, ist auch in der Denkstätte Weiße Rose neben dem Lichthof der Universität München erhältlich.